Ein Buch über die Kämpfe um Lebensmittel, wenn sie knapper und teurer werden. Von Rupert Neudeck


Es geht aber auch darum, dass wir schlicht weniger und besonders weniger Fleisch essen.

Sage mir, was und wie Du isst, und ich sage Dir, wo Du auf dieser Welt stehst. Ein neuer unbewusster, aber kraftvoller Imperialismus besteht in der Veränderung der Ess- und Trinkgewohnheiten. Wer Kellog’s Cornflakes zum Frühstück isst, Nescafe trinkt und bei Delice France Brot und Kuchen kauft, will dokumentieren: „Ich gehöre zur Mittelschicht des Landes!“ Nach den Analysen eines renommierten Forschungsinstituts in Indien schätzte man in Indien 2002 die Mittelschicht auf 64 Mio. Man nimmt an, dass sie bis 2010 – also bis zum nächsten Jahr – auf 175 Mio anwachsen wird. Das Potential derer, die in diese Kategorie hineinwachsen können, liegt nach Einschätzung der Prognostiker bei über 400 Mio Indern. In China sei man heute noch nicht so weit. Dort taxiert man jemanden, der zum Mittelstand gehört, wenn er zwischen 4000 und 17.000 US Dollar verdient.

Walter Hirn weist in seinem Buch immer wieder darauf hin: In der Weltwirtschaft geschieht kaum etwas langfristig. Alle Profit- und Börsenmaschinerien arbeiten nach dem Prinzip des kurzfristigen Erfolges, des schnellen Geldes. Nichts soll langfristig oder nachhaltig sein. „Illegale wie legale Fischer dezimieren weltweit unsere Fischbestände.“ Und die Schiffe werden immer more sophisticated. Der Autor beschreibt die Vidal Bocanegra Cuarto, einen 149 Tonnen schweren Trawler. Der hat zwei Satellitennavigationssysteme, zwei Schallmessgeräte, zwei Computer an Bord. Der Kapitän ist 6 Monate im Jahre unterwegs. Er denkt nur an den kurzfristigsten Profit.

Am Schluß gibt es klare Handlungsanweisungen. Solch ein Buch darf der Leser nicht ohne innere Verpflichtung beenden. Das eigene „Du musst Dein Leben ändern“ beginnt mit einem Schuldbekenntnis. Der Autor protzt noch einmal, wo er überall in den vornehmsten Hotels gegessen und gesündigt hat. In Abu Dhabi im Rotana Beach Hotel habe er Frankfurter Würstchen mit Kartoffelsalat, in Sydney ein tellergroßes Löwenschnitzel verspeist. Es geht aber in unseren Luxus Ländern darum, dass wir schlicht weniger und besonders weniger Fleisch essen. Und: Dass wir dafür sorgen, dass weniger weggeschmissen wird; dass wir von anderen gesünderen Küchen lernen (italienische und die asiatischen in Japan und China), und dass wir möglichst selbst kochen.

Ein Skandal besteht darin, dass 32 Prozent aller erwachsenen Amerikaner zu fett sind. Das führt manchmal zu Situationen, die man kaum noch für möglich hält. Als der Autor in Des Moines ins Flugzeug nach Phoenix steigt, mussten zwei Passagiere der Schwergewichtsklasse aus dem Flugzeug herausgehen, damit die Triebwerke angelassen werden durften. Die USA sind eine fastfood Nation, aber wir kommen schon gleich dahinter. In Deutschland sind es schon 20 Prozent der Menschen, die fettleibig sind. Da das ja extrem gesundheitsschädlich ist, könnte man sich vorstellen (ein Wink für unseren nächsten Bundestag`?), dass nach Alkohol und Tabak Fleisch mehr besteuert wird. In den USA gäbe es bereits sin tax, fat tax und twinkie tax. Mit zwei Vorteilen: Zum einen würden sie durch die höheren Preise den Konsum der Fleischprodukte senken, „zum anderen könnte man das Geld für Gesundheitsprogramme gegen Fettleibigkeit verwenden“.

Das Buch zitiert den Inder Rajenda Pauchuri, Chef des ausgezeichneten legendären IPCC, des „Intergovernmental Panel on Climate Change“: Die Leute sollte weniger Fleisch essen, das hätte mehr positive Wirkung auf die Umwelt als der Wechsel zu einem Hybrid Auto. Wie das? Die Landwirtschaft sei der Umweltsünder Nr. Eins, der Verkehr kommt erst an zweiter Stelle. Die Milliarden Kühe und Rinder stoßen mehr CO2 aus als alle Autos und Flugzeuge dieser Welt zusammen. Das hindert nicht, trotzdem den Wechsel zum Hybrid Auto anzustreben.

Quelle: www.sonnenseite.com