Essen. Wie Studien belegen, ernähren sich die Deutschen immer ungesünder. Das wirkt sich nicht nur auf die Pfunde, sondern auch auf die Organe aus. Leber, Niere und Darm sind durch fette Nahrung im Dauerstress. Erholung kann eine Fastenkur bringen. Doch dabei gibt es einiges zu beachten.

Dem Institut für Demoskopie Allensbach zufolge bewerten 38 Prozent der Deutschen Fastenkuren als positiv, und 11,5 Millionen Menschen geben an, schon einmal gefastet zu haben. Und auch als Therapie wird Fasten immer öfter eingesetzt. So schätzt die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung, dass in den von ihr vertretenen Klinken und Praxen jährlich mindestens 10 000 Patienten eine Fastentherapie durchführen.

Trotzdem gibt es viele Stimmen, die vor der Gefährlichkeit des Fastens warnen. So würde es die Muskeln zerstören und könne schwere gesundheitliche Schäden nach sich ziehen. Der Ökotrophologe Andrea Ciro Chiappa von der Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung sieht das anders: „Wer richtig fastet, muss keine gesundheitlichen Schäden befürchten, sondern verbessert damit seine körperliche Verfassung.“

Leber und Niere kommen zur Ruhe
Beim Fasten nimmt man nur flüssige Nahrung zu sich: zum Beispiel Suppen, Brühen, stark verdünnte Fruchtsäfte und Kräutertee. „Dadurch erhalten Leber, Niere und Darm eine Pause“, sagt der Experte. Das sei nötig, wenn die Entgiftungsorgane durch ungesundes fettes Essen überlastet werden. „Heilfasten ist kein Hungern, denn der Körper schaltet die Ernährung um, nicht ab. Anstatt durch aufgenommene Eiweiße und Fette ernährt er sich durch Kohlenhydratreserven und Fettdepots aus dem Körper“, sagt Chiappa. Die Angst, dass dabei Muskeln abgebaut werden, kann der Experte nehmen: „Im Kurzzeitfasten stammen nur wenig der genutzten Eiweiße aus Skelettmuskeln, sondern vorwiegend aus dem Verdauungsapparat sowie inaktiven Muskeln.“

Was beachtet werden muss
„Besonders ungeübte oder Erstfaster, sollten nicht unkontrolliert fasten“, sagt Chiappa. „Die richtige Anleitung gibt es von ärztlich geprüften Fastenleitern.“ Sie unterstützen und können bei Komplikationen helfen. Außerdem empfiehlt der Experte Fastengruppen. Besonders das Zusammensein in der Gruppe wirke sich positiv auf das Durchhaltevermögen aus.

Beim Fasten neigen viele dazu sich nicht oder zu wenig zu bewegen. „Auf dem Sofa ist es aber längst nicht so erfolgreich wie mit ausreichend Bewegung“, sagt der Experte. Dabei geht es nicht um kilometerlanges Joggen, denn Überanstrengung wirke sich eher negativ aus. Der Experte empfiehlt: entspanntes Wandern, Nordic Walking, Yoga und Muskeltraining.

Die richtige Vorbereitung
Starke Kaffeetrinker sollten die Fastenzeit vorbereiten. Wer immer viel Kaffee trinkt, kann durch den Verzicht unter Kopfschmerzen leiden. „Starken Kaffeetrinkern rate ich deshalb, schon zwei Wochen vorher die Rationen zu senken und eine Woche vorher am besten ganz auf Kaffee zu verzichten.“

Leichter ist der Verzicht außerdem, wenn man einen Entlastungstag vor dem Fasten einlegt. Dabei sollte man auf Fertigprodukte, stark gesalzenes Essen, tierische Eiweiße und Fette verzichten. Dem Experten zufolge eigne sich ein Rohkost-, Suppen- oder Reis-Tag. „Damit entwässert man schon vor dem eigentlichen Fasten“, sagt Chiappa.

Quelle: www.derwesten.de