In Hungersituationen, die für die Körperzellen Stress bedeuten, schüttet der Mensch vermehrt antimikrobielle Peptide aus, um sich zu schützen. Biomediziner um Michael Hoch von der Universität Bonn haben diesen Immunmechanismus entdeckt und publizierten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature (doi:10.1038/nature08698).

Damit das Immunsystem nicht ständig aktiviert ist und so möglicherweise chronische Entzündungen verursacht, ist an der Grenze zwischen Körper und Außenwelt ein separates Abwehrsystem vorgeschaltet. Dies ist nötig, da sich auf Lunge und Haut, den Barriere-Geweben, physiologischerweise Bakterien befinden.

Unter diese „guten“ Bakterien mischen sich immer wieder pathogene Keime. Bevor diese in den Körper eindringen können, tritt ein Mechanismus in Kraft, der völlig unabhängig von den klassischen Immunabwehrsystemen wirkt.

Die Forscher konnten zeigen, dass dieses natürliche Immunabwehrsystem über den sogenannten Insulinsignalweg direkt an den Stoffwechsel-Status gekoppelt ist: Bei einem niedrigen Insulinspiegel wird der so genannte FOXO-Transkriptionsfaktor aktiviert. Ein Transkriptionsfaktor kann Gene an- und abschalten. FOXO schaltet bei Energiebedarf Gene für Abwehrproteine an. Diese antimikrobiellen, also Mikroorganismen inaktivierende, Peptide werden daraufhin aus den Körperzellen ausgeschleust. Sie zerstören eventuelle pathogene Keime, indem sie deren Zellwände auflösen.

Faszinierend an diesem Mechanismus sei, dass eine Funktion des Immunsystems direkt davon abhänge, wie viel und was der jeweilige Mensch esse, so die Forscher. In Hungersituationen, die für die Körperzellen Stress bedeuten, schütte der Körper vorsichtshalber vermehrt antimikrobielle Peptide aus, um sich zu schützen. „Die Barriere zwischen Körper und Außenwelt wird wohl in einer möglichen Gefahrensituation gestärkt, in der wir zu wenig Energie haben", vermutet Hoch.

Volkskrankheiten wie Diabetes Mellitus Typ2 oder Adipositas gehen häufig mit vermehrten Entzündungen der Barriere-Gewebe, einem gestörten Immunsystem und einer insgesamt verkürzten Lebenszeit einher. Die Ergebnisse der aktuellen Studie könnten neue Ansatzpunkte zum Verständnis dieser Erkrankungen liefern, so die Hoffnung der Gruppe.
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