Essen. Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders – und der Monat, in dem Gläubige fasten. Doch ist der Verzicht für die etwa 1,3 Millionen Muslime in Nordrhein-Westfalen überhaupt gesund oder etwa schädlich?

Fasten erlebt in den letzten Jahren einen wahren Boom - nie war der Verzicht so angesagt wie heute. Dem Institut für Demoskopie Allensbach zufolge haben 11,5 Millionen Deutsche schon einmal gefastet. Dabei geht es nicht immer um die Entsagung von Nahrungsmitteln – auch Genussmittel werden heute gern einmal weggelassen. So gaben bei einer repräsentativen Forsa-Umfrage 35 Prozent der Befragten an, schon öfter bewusst auf Alkohol, Süßigkeiten oder Kaffee verzichtet zu haben.

Die Gründe für den freiwilligen Nahrungsverzicht sind vielfältig. Viele Fastende geben an, sich dadurch besser zu fühlen. Für einige Menschen nimmt es aus religiösen Gründen einen hohen Stellenwert ein wie bei Muslimen. Doch wie gesund kann der Fastenmonat Ramadan sein?

Der Verzicht auf Trinken ist gefährlich
Gesundheitsexperten warnen vor dem Verzicht auf Getränke. (Bild: Imago) Gesundheitsexperten warnen vor dem Verzicht auf Getränke. (Bild: Imago) Foto: imago stock&people

Beim muslimischen Fasten essen Muslime von Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nicht. Im Gegensatz zum Heilfasten, bei dem während dem Entsagen Suppen, Brühen, stark verdünnte Fruchtsäfte und Kräutertees getrunken werden, nehmen Muslime tagsüber keine Flüssigkeit zu sich.

„Mehrere Stunden nicht zu trinken ist für den menschlichen Körper gefährlich“, sagt der Arzt Dr. Julius Siebertz vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Wer wenig trinkt, belastet die Niere. Denn dann muss sie Giftstoffe mit möglichst wenig Wasser aus dem Körper transportieren. „Besonders gefährlich ist das für Menschen, die einen Nierenschaden haben“, sagt der Experte.

Auch Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sieht den Verzicht auf Flüssigkeit kritisch: „Vor allem wer körperlich schwer arbeitet und schwitzt, muss viel trinken.“ Auf Nahrung zu verzichten sei für den Körper für kurze Zeit nicht schädlich, auf Flüssigkeit dagegen sehr. Kreislaufzusammenbruch kann die Folge sein oder sogar ein Kreislaufstillstand, was lebensgefährlich ist.

Nicht fasten sollten:

• Kinder

• kranke Menschen

• Schwangere und stillende Mütter

• Frauen während ihrer Menstruation

Übertriebene Abendtafel kann zu Verdauungsbeschwerden führen

Traditionell wird das Fasten am frühen Morgen und am Abend unterbrochen. Das Abendessen ist dann meist sehr reichhaltig. „Ernährungsphysiologisch empfehle ich jedoch eher mehrere kleinere fettarme Mahlzeiten“, sagt der Arzt Siebertz. „Drei bis fünf Mahlzeiten können den Energiehaushalt besser steuern als zwei große.“ Ansonsten könne das Verdauungssystem überfordert werden.

Dass es zu Völlegefühl und Magenschmerzen kommen könne, bestätigt auch Ernährungsexpertin Gahl. Doch dies sei individuell sehr verschieden. Auf die allgemeine Energiebilanz, also die Energie, die der Körper am Tag braucht, habe die Anzahl der Mahlzeiten keinen Einfluss. „Auch wenn man nur ein- oder zweimal am Tag isst, wird die Energie genauso verbraucht, als wenn man fünf Mahlzeiten täglich zu sich nimmt.“

Tipps zum richtigen Fasten
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für das muslimische Fasten:

• morgens viel trinken

• langsam essen

• nicht zu viel essen

• vor dem Essen ein großes Glas Wasser zu trinken

„Wichtig ist natürlich immer, ob man sich gesund genug für das Fasten fühlt“, sagt Siebertz. „Wem es nicht gut geht, der sollte nicht verzichten“. Denn das überanstrenge den Körper zu stark und könne gesundheitliche Beschwerden nach sich ziehen.

Quelle: www.derwesten.de
Autorin: Carolin Voss