Zu viel Kekse, Punsch und Weihnachtsfeiern trüben oft den Blick aufs Wesentliche im Advent.

Die Wellness-Industrie hat das alte Brauchtum des Adventfastens für sich entdeckt. Vielerorts werden diese Angebote beworben. „Fasten im Advent macht Sinn. Wer reduziert, erkennt schnell, was zuvor zu viel war, und kommt zur Besinnung“, sagt Susanne Gross, Theologin in der Diözese Linz.

„Der Advent ist vom Kirchenjahr her betrachtet definitiv eine Fastenzeit, auch wenn das angesichts der vielen Kekse, Weihnachtsfeiern und Punschstandln oft vergessen wird“, sagt Susanne Gross von der Abteilung Spiritualität der Diözese. Die Theologin und Lebens- und Sozialberaterin kann der Fastenzeit im Advent viel abgewinnen. „Fasten hilft den Menschen, nachzudenken und nicht so gedankenlos dahinzuleben. Beim Fasten erkennen wir auch, was wir in unserem Leben an Zuviel angehäuft haben – ein Zuviel an Arbeit, ein Zuviel an Beziehungen, ein Zuviel an Zeitdruck.“

Wie gefastet wird, sei nebensächlich. „Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er nur auf die Kekserl verzichtet, auf Alkohol oder ob er die Nahrungsaufnahme insgesamt reduziert.“ Fasten beschere einem – zu jeder Zeit im Jahr – ein bewussteres Leben. „Man besinnt sich auf sich selbst und auf seine Lebensthemen. Außerdem kann man so die Adventzeit als stärkende Zeit begreifen.“

Es gehe dabei auch immer um das Aufbrechen alter Gewohnheiten. Fasten sei eine Chance, um sich der Reizüberflutung zu entziehen, um seine Süchte nach Alkohol oder Nikotin auf Eis zu legen. So gesehen sei der Advent die beste Zeit, zur Ruhe zu kommen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Aus der Leere entsteht Neues

Wolfgang Singer, Theologe und Psychotherapeut aus Altmünster und erfahrener Fastenbegleiter, beschreibt den Advent als „eine gute Zeit zum Fasten. Denn momentan ist ja das Gegenteil der Fall. Alle sind übersättigt und eilen von einem Termin zum anderen. Die Dunkelheit der Jahreszeit wird durch tausende Lichterketten verscheucht, dabei wäre es sinnvoll, einmal im Jahr mit der Dunkelheit zu leben.“ Fasten sei eine gute Möglichkeit, leer zu werden. „Damit sich wieder Neues, Frisches entfalten kann.“

Mittlerweile haben den Trend zum Adventfasten auch einige Hotels in Österreich und Deutschland aufgegriffen. Angeboten werden Wochen mit Reduktionskost, kombiniert mit Entspannungsübungen und Massagen.

Quelle: nachrichten.at