Aufruf zur Studie: Heilfasten bei Typ-2-Diabetes und metabolischem Syndrom

Weltweit steigt die Zahl der Erkrankungen an Typ-2-Diabetes und dem metabolischen Syndrom (Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und Insulinresistenz). Helfen könnte ein Verfahren aus der Naturheilkunde – das Heilfasten. Eine ambulante Studie der Abteilung für Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin und der Schwerpunktpraxis diR Diabetes und Rheuma in Berlin-Wilmersdorf soll das überprüfen. rbb Praxis sprach mit der Studienärztin Badri Sadraie.

Frau Sadraie, was wollen Sie mithilfe der ambulanten Studie herausfinden?
Wir wollen herausfinden, welchen Effekt das Heilfasten auf die Insulinresistenz hat. Diabetes-Patienten brauchen eine hohe Insulindosis und sie können schlecht abnehmen. Wir wollen untersuchen, ob die verminderte Insulinwirkung sich durch das Heilfasten bessert.

Wer kann an der Studie teilnehmen?

Frauen und Männern im Alter von 25 bis 75 Jahren, die an Diabetes Typ-2 und dem metabolischen Syndrom (Übergewicht, erhöhte Fettwerte, erhöhter Blutdruck oder erhöhte Harnsäurenwerte) erkrankt sind. Nicht teilnehmen können Patienten, die zudem eine starke Organschädigung haben wie beispielsweise eine hochgradige Nieren- oder Herzschwäche. Es ist nicht so, dass diese Patienten grundsätzlich nicht Heilfasten sollen. Aber diese Patienten bräuchten eine über die ambulante Versorgung hinausgehende Betreuung im Rahmen eines stationären Heilfastens.

 

 

Bis wann können sich Interessierte melden, die noch an der Studie teilnehmen möchten?

Wir haben im Januar schon eine Fastengruppe gehabt. Die nächste Runde mit einer neuen Gruppe wird von 13. bis 21. Juni 2014 starten. Interessierte, die an der Studie teilnehmen möchten, können sich bis Anfang Juni bei uns melden.

Wie läuft die Studie für die Teilnehmenden ab?

Beim ersten Termin informieren wir die Interessenten über den Ablauf und die Bedingungen der Studie. Dann werden die Teilnehmenden per Los einer von zwei Gruppen zugeordnet. Teilnehmer der Gruppe 1 erhalten ambulant über insgesamt zwölf Wochen eine naturheilkundliche integrative Komplextherapie mit dem Schwerpunkt Ernährungstherapie. Teilnehmer der Gruppe 2, also der Kontrollgruppe, werden konventionell behandelt. Die konventionelle Behandlung umfasst leitliniengerecht die medikamentöse Therapie und Lebensstilberatung. Aber auch alle Teilnehmer der Kontrollgruppe erhalten nach der letzten Studienvisite ein integratives naturheilkundliches Therapieangebot mit Heilfasten in demselben Umfang wie die Teilnehmer der Gruppe 1. Zu Beginn und am Ende der Studie erfolgen körperliche Untersuchung, Messungen des Blutdrucks, des Gewichts und Bauchumfangs sowie Blutentnahmen zur Messung von Laborwerten.

Wie läuft die Heilfasten-Woche für die Teilnehmer der Gruppe 1 ab?

Die Fastengruppe startet mit einem Entlastungstag mit Reis oder Kartoffeln oder einem Hafertag und viel Trinken. Am Tag danach treffen wir uns. Dann führen die Teilnehmenden eine Darmreinigung durch, damit der Darm entleert ist. Dann nehmen auch die Hungergefühle ab. An den Fastentagen werden 400 Kilokalorien in Form von Obst- und Gemüsesäften und zusätzlich reichlich Flüssigkeit, also Wasser oder Tee eingenommen. Während der ersten drei Tage treffen wir uns jeden Tag in der Praxis, danach alle zwei Tage. Bei den festen Gruppentreffen werden Gewicht, Blutdruck, Blutzucker sowie allgemeines Befinden und gegebenenfalls unerwünschte Wirkungen besprochen und dokumentiert. Zudem gibt es traditionelle fastenbegleitende Maßnahmen wie Entspannungsübungen. Die Patienten können uns auch 24 Stunden telefonisch erreichen, wenn sie eine Frage haben oder etwas besprechen möchten. Am Ende der Woche brechen wir alle zusammen mit einem Apfel das Fasten. Danach wird eine Vollwerternährung empfohlen mit reduzierter Kalorienmenge und einmal in der Woche ein Entlastungstag. Die Ernährungsumstellung sollen die Studienteilnehmer bestenfalls auch nach den vier Monaten beibehalten.

Was können Sie mithilfe der Blutentnahmen überprüfen?

Mit den Blutproben bestimmen wir u. a. die Konzentration von Blutzucker, Insulin, C-Peptid (um zu beurteilen, wie viel Insulin die Bauchspeicheldrüse noch produziert), HbA1c (Langzeitblutzuckerwert; erlaubt einen Rückschluss auf die Qualität der Blutzuckereinstellung in den letzten sechs bis acht Wochen), Blutbild, Fettwerte, Kreatinin und Harnsäure. Wir messen den Insulinspiegel, um zu sehen, ob der Insulinspiegel runter gegangen ist, so dass der Körper nicht mehr gezwungen ist, so enorm viel Insulin zu produzieren. Wir überprüfen, wie sich die Werte im Vergleich zu vor der Studie entwickeln. Einige Studien haben gezeigt, dass sich das fast durchweg positiv ändert. Beispielsweise brauchte ein Teil der Patienten gar keine Blutdruck-Medikamente mehr und manche nur noch ganz wenige Blutzucker-Tabletten oder wenige Insulineinheiten.

Was weiß man bisher über die Auswirkungen von Heilfasten?

Es ist davon auszugehen, dass die Insulinresistenz oder Insulin-Wirkungsschwäche durch das Heilfasten nachlassen. Dann reagiert unser Stoffwechsel besser, dann hat man nicht mehr so viele Giftstoffe im Körper und kann auch besser abnehmen.

Gibt es Risiken für die Studienteilnehmer?


Risiken gibt es im Grunde keine, außer dass man bei der Blutentnahme gepiekt wird.

Würden Sie grundsätzlich allen einmal im Jahr eine Heilfasten-Woche empfehlen?

Ja, auch denen, die kein Diabetes haben. Gesunde können alleine zu Hause nach der Anleitung fasten. Durch das Heilfasten wird der Körper entlastet und der Stoffwechsel angeregt. Aber alle Patienten mit Erkrankungen sollten Heilfasten nur unter ärztlicher Beobachtung durchführen. Besonders Menschen mit Stoffwechselerkrankungen profitieren. Und Patienten mit Rheuma oder Tumorpatienten.

Inwiefern profitieren Patienten, die unter Rheuma leiden oder Patienten mit Tumoren?

Das Ausbleiben von Giftstoffen, die teilweise in Nahrungsmitteln enthalten sind, wirkt sich positiv auf die Entzündungswerte aus. D.h. die Patienten, die Rheuma haben, haben nach dem Fasten kaum Schmerzen. Bei Tumorerkrankungen laufen noch viele Studien. Es hat sich gezeigt, dass die Tumorzellen zum Teil einfach ausgehungert werden.

Das Gespräch führte Nadine Bader.

 

http://www.rbb-online.de/rbbpraxis/rbb_praxis_service/ernaehrung/heilfasten-bei-typ-2-diabetes-und-metabolischem-syndrom-.html

 

Flyer zur Studie: http://www.dir-praxis.de/formulare/Flyer-Heilfasten.pdf

 

Webseite der Charité / Naturheilkunde

http://naturheilkunde.immanuel.de/forschung/aktuelle-studien/heilfasten-bei-diabetes-typ-2/