Evaluation des Gesundheitsfastens nach dem Konzept der Deutschen Fastenakademie (dfa)

5-tägiges, arbeitsbegleitendes Fasten in Kombination mit Gesundheitstraining führt zu nachhaltiger Gewichtsreduktion und erfolgreicher Lebensstilmodifikation

Kuno Hottenrott1, Andrea Ciro Chiappa2, Edmund Semler2, Sarah Lorenz1

1  Institut für Leistungsdiagnostik und Gesundheitsförderung e.V. (ILUG) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg;  2  Deutsche Fastenakademie e.V., Bad Homburg

dfa Gesundheitsfastenstudie Studie Kassel

Hintergrund: Fasten nach der Buchingermethode hat sich als Naturheilverfahren in der Therapie der rheumatoiden Arthritis, chronischer Schmerzsyndrome und des metabolischen Syndroms bewährt. Die dabei beobachteten physiologischen Anpassungsmechanismen zeigen, dass auch der gesunde Mensch von einem freiwilligen Nahrungsverzicht profitieren kann. Fasten als eine Möglichkeit der bewussten und gelenkten Prävention bis hin zur Optimierung der Gesundheit liegt demnach sehr nahe und wird bereits vielfach in Fastenhäusern und Gesundheitskursen praktiziert.

Fragestellung: Die Präventionsstudie untersuchte im Mai 2015, ob ein berufsbegleitendes 5-tägiges Gesundheitsfasten nach dem Konzept der Deutschen Fastenakademie e. V. (dfa), (kombinierte niederkalorische Trinkkur mit Bewegungs-, Entspannungs- und Gesundheitstraining sowie Ernährungsschulung) ein wirksames Modell für eine eigenverantwortliche Gesundheitsförderung darstellt. Dafür wurde dessen Einfluss auf die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit, Körperzusammensetzung, Körpergewicht sowie wissenschaftlich gesicherte Gesundheitsparameter und Lebensstil geprüft.

Methoden: An der Studie nahmen 47 gesunde Frauen und Männer (49,8 ± 10,4 Jahre; 25,72 ± 3,34 kg/m2) aus dem Raum Kassel teil. Eine Gruppe (n=17) versorgte sich mit ihrer üblichen normokalorischen Mischkost, während der Großteil (n=30) an einer Fastenintervention nach Buchinger teilnahm. Die Erhebung der anthropometrischen, kardiovaskulären und leistungsdiagnostischen Parameter erfolgte zu Beginn und direkt im Anschluss an die Intervention sowie drei Monate danach. Eine Verhaltensmodifikation in den Bereichen Ernährung, Essverhalten, Bewegung, Stress wurde zudem mittels Fragebogens erfasst.

Ergebnisse: Im Ergebnis führte ein ambulant durchgeführtes Gesundheitstraining mit Fastenintervention im Vergleich zu einem Gesundheitstraining ohne Fasten zu einer nachhaltigen Gewichtsreduktion. Gesundheitsparameter wie der Bauchumfang, die Herzfrequenz in Ruhe und die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit werden bei beiden Gruppen nachhaltig positiv beeinflusst. Während der Intervention kam es unter dem Einfluss der Nahrungskarenz zu einer Reduktion des Blutdrucks und des Viszeralfettwertes. Ein 5-tägiges kann ohne Einschränkungen der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit durchgeführt werden kann.

Schlussfolgerung: Das dfa-Gesundheitsfasten führte weder zu Komplikationen noch zu Abbrüchen während der Intervention, was die gute und sichere Durchführbarkeit eines berufsbegleitenden Kurzzeitfastens für Gesunde unter Anleitung eines dfa-Fastenleiters unterstreicht. Mittelfristig ist ein Kurzzeitfastenprogramm mit Gesundheitstraining in der Lage, Veränderungen des Lebensstils zu bewirken. Um dauerhaft von den positiven Effekten des Fastens profitieren zu können, ist eine Wiederholung des Fastenprogramms ein- bis zweimal im Jahr zu empfehlen.

 

Die vollständige Zusammenfassung der Studienergebnisse wurden in der ZEITSCHRIFT FÜR KOMPLEMENTÄRMEDIZIN, zkm Ausgabe 3.2016 im Thieme-Verlag publiziert.

https://www.thieme.de/de/zeitschrift-komplementaermedizin/profil-8058.htm

 

Der Sonderdruck kann hier geladen werden:frontseite dfa gesundheitsfastenstudie zkm 2015

http://fastenakademie.de/index.php/mitgliedermenu/downloads-121/file/60-dfa-gesundheitsfastenstudie-2016-sonderheft-zkm

 

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