Wie es die drei Weltreligionen damit halten


Rhein-Mainer vom 20.09.2008: Bei der Interkulturellen Woche des Ausländerbeirats geht es auch um Gemeinsamkeiten. Deshalb passte die Podiumsdiskussion der Fraueninitiative für Integration und Austausch "Isma" auch gut ins Konzept. Unter dem Titel "Fit an Körper und Seele" stellten drei Vertreterinnen aus Islam, Juden- und Christentum im Rathaus die Bedeutung und Praxis des Fastens aus der Sicht ihrer jeweiligen Religion vor.

Petra Kunik ist Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Frankfurt und Mitglied der dortigen jüdischen Gemeinde. Sie erklärte, dass der ultra-orthodoxe Jude jeden Montag und Donnerstag fasten kann. Das kommt daher, weil Moses an einem Montag auf den Berg Sinai gestiegen ist und an einem Donnerstag mit den zehn Geboten zurück kam. In den 40 Tagen dazwischen hat er keine Nahrung zu sich nehmen müssen, weil er im Paradies war - daraus leitet sich die Fastentradition ab. Zudem gibt es einige "kleine Fastentage".

Für die Christen, so sagt die katholische Theologin Angelika Fromm, ist das Fasten eine "seelische Herausforderung", aus der sich Stärke entwickelt. "Wir können dabei offen werden für die wirkliche Begegnung mit Gott", erklärte sie. Fasten wird auch als Dienst am Nächsten verstanden, wenn Gespartes an Bedürftige weiter gegeben wird. Früher wurde während der Karwoche, mitunter auch vor Weihnachten, gefastet, als Fastentage gelten heute nur noch der Aschermittwoch und der Karfreitag.

Die Pädagogin Hadya Hassan hatte die Beschreibung des islamischen Fastens in einen fiktiven Brief eines kleinen Mädchens an seinen Großvater gepackt. Darin beschreibt das Kind, durch das Fasten verändert worden zu sein, auch weil es Zeit gewonnen hat, sich etwa mit dem Vater mehr zu unterhalten. Dass man "Frevel und üble Nachrede" vermeiden soll, gehört zum islamischen Fasten ebenso wie das leibliche Entsagen.

Quelle: www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=3442120