Berlin/Bad Ems: 13 Prozent der Deutschen wollen sich laut einer Emnid-Umfrage in den kommenden sechs Wochen in Verzicht üben. Das Spektrum der Fasten-Varianten ist groß.

Die Rheinische Zeitung sprach mit Rainer Brenke, Chefarzt der Abteilung Naturheilverfahren an der Hufeland-Klinik Bad Ems, über Wirkung und Nutzen der beliebtesten Fastentrends. Der Mediziner setzt in seiner Abteilung das Heilfasten zu therapeutischen Zwecken ein.

Heilfasten: Diese Fastenform verzichtet bewusst auf feste Nahrung. "Das ist allerdings nicht zu verwechseln mit einer Nulldiät", sagt Brenke. Der Fastende trinkt viel (Tee, Heilwasser, Gemüsebrühe) und stellt so den Stoffwechsel vorübergehend um. Vorteil: Kein Hungergefühl. Wirkung: Erholung für den Magen-Darm-Trakt, Auslöser für Allergien fehlen, Blutdruck und Blutfettwerte werden gesenkt. Stärkt Immunsystem und vegetatives Nervensystem. "Wichtig dabei ist, den Darm regelmäßig zu reinigen - mit Einläufen oder Glaubersalz", rät Brenke. Außerdem sollte man sich ausreichend bewegen, um zu verhindern, dass der Körper Muskeln abbaut, was zu Herzschädigungen führen kann. "Heilfasten eignet sich ideal als Einstieg für eine Ernährungsumstellung", meint Brenke.

Molkefasten: Ähnelt dem Heilfasten, führt dem Körper aber Eiweiß in Form von Molke zu und verhindert so den Abbau von Muskeln.

Fastenkur: Wer nicht völlig auf feste Nahrung verzichten will, kann seine Ernährung vorübergehend reduzieren - etwa, indem er nur eine festgelegte Zahl eingeweichter Brötchen isst (F.X.-Mayr- Kur). "Diese Methode schult das Kauen und damit bewusstes Essen", so Brenke. Nachteil: Bei einer Zufuhr von mehr als 500 Kalorien am Tag schaltet der Körper vom Fastenstoffwechsel auf Mangelbetrieb um - nach Ende der Diät droht der Jojo-Effekt.

Kein Fleisch: Ein Weniger an tierischem Eiweiß dämmt Entzündungsreaktionen im Körper - dazu gehören rheumatische Erkrankungen und Gefäßkrankheiten wie Arteriosklerose. Brenke: "Wer auf Fleisch verzichtet, reduziert Cholesterin und Harnsäure im Blut, stärkt Herz und Gefäße, entlastet den Stoffwechsel."

Keine Süßigkeiten: Nicht nur der Zahnarzt, auch der Stoffwechsel freut sich. Zucker begünstigt die Ansiedelung von Pilzen im Körper. Bringt Entlastung für die Darmflora, fördert Gewichtsabnahme. "Süßigkeiten sind Kalorien in geballter Form!"

Kein Kaffee: Das beliebteste Morgengetränk der Deutschen schadet der Gesundheit weniger als allgemein angenommen. Ausnahme: Exzessives Kaffeetrinken greift den Magen an, zu viel Koffein beeinträchtigt den Schlaf. "Lediglich beim Heilfasten ist Kaffee tabu", warnt Brenke.

Kein Alkohol: "Der Pro-Kopf-Konsum von Alkohol liegt in Deutschland bei 70 Gramm reinen Alkohols pro Tag - das liegt bereits oberhalb der gesundheitsgefährdenden Grenze", resümiert Brenke. Vorübergehender Verzicht hilft, das eigene Konsumverhalten einzuschätzen. Vorteil: Die Leber regeneriert, Giftstoffe können abgebaut werden - eine wirksame Form des Entgiftens. Zudem enthält Alkohol viele Kalorien, man kann sich also ein Häppchen mehr gönnen.

Keine Zigaretten: Schon nach 20 Minuten sinkt der Blutdruck, die Durchblutung bessert sich. Die Haut wird besser mit Nährstoffen versorgt - eine echte Verjüngungskur. Allerdings: Geschädigtes Lungengewebe lässt sich nicht mehr reparieren. Erst nach zirka sieben Jahren haben sich Herz und Blutgefäße vollständig erholt.

Kein Sex: Auf den Hormonhaushalt hat körperliche Enthaltsamkeit keinen Einfluss. "Eigentlich gibt es keinen echten Grund, darauf zu verzichten", findet Brenke, der jede Art von körperlicher Ertüchtigung für ratsam hält. Wer enthaltsam lebt und trotzdem Gewicht verlieren will, muss öfter Treppen steigen. Paartherapeuten halten Sexverzicht dagegen für eine bewährte Methode, um Zärtlichkeit wieder neu schätzen und genießen zu lernen. (Das Gespräch protokollierte Nicole Mieding)

http://rhein-zeitung.de/on/09/02/25/news/t/rzo538491.html?a