Von "natur+kosmos"-Autor Jörg Zittlau

Radikale Diäten, die den Körper reinigen sollen, erreichen oft das Gegenteil: Eine Überdosis Gift sammelt sich im Blut an. Vernünftiges Fasten kann jedoch tatsächlich heilsam sein.

Thorsten Frankenberg schaut auf die einsame Tasse Tee, die beim Abendessen vor seiner Frau steht, und meint schmunzelnd: "Ist es wieder so weit?" Gattin Karin rührt seufzend in ihrem Heißgetränk: "Nach dem langen Winter und dem üppigen Essen muss ich meinen Körper einfach mal wieder einer Grundreinigung unterziehen." Es klingt ein wenig wie Ölwechseln bei einem Auto. Und so in etwa stellt es sich die Mittvierzigerin wohl auch vor. Eine Woche lang gibt es für sie nichts außer Tee, Honig und Zitronensaft.

Damit, ist sie überzeugt, befreit sie sich von den berüchtigten Schlacken, die ihren Organismus belasten und allerlei Krankheiten auslösen können - nicht ahnend, dass sie mit ihrer Strategie womöglich genau das Gegenteil erreicht. Wissenschaftliche Belege für die Existenz von irgendwelchen Schlacken, bei denen es sich laut Heilfastenanhängern mal um die "Abbaustufen der Neutralfette", mal um "Zwischenprodukte eines unvollständigen Eiweißstoffwechsels" handeln soll, gibt es jedenfalls nicht. Tatsächlich jedoch scheidet der Körper, wie Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung betont, "unverwertbare Stoffwechselprodukte ständig über Haut, Niere, Darm oder Lunge aus". Könnte er das nicht, wäre der Mensch im Laufe der Evolution schon längst ausgestorben....

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