Wie aktuelle Studien bestätigen, kann eine fachgerecht durchgeführte Fastenkur ein wirksamer erster Schritt sein, um eine aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora nachhaltig zu regenerieren. Das kann wiederum vielfältige gesundheitsfördernde Effekte haben. Fasten tut auch dem Bauch gut

Kaum ein Organ zieht derzeit die Wissenschaft mehr in seinen Bann als der Darm. Im Fokus der Forschung steht eine unvorstellbar artenreiche Lebensgemeinschaft: die rund 100 Billionen (1014) Bakterien, die jeden Darm bevölkern. Sie gehören mehr als 1.000 verschiedenen Bakterienspezies an, wobei jede Art ihre typischen Eigenschaften, Funktionen und somit auch Einflüsse auf den Organismus hat. Neueren Erkenntnissen zufolge können die Darmmikroben nicht nur unverdauliche Nahrungsreste zersetzen und in mehr oder weniger wertvolle Nährstoffe umwandeln, sondern auch einflussreiche Botenstoffe in den Blutkreislauf schicken, den Stoffwechsel verändern, Entzündungsreaktionen kontrollieren, das Immunsystem stabilisieren und sogar die Psyche beeinflussen. Entsprechend weitreichend sind die Auswirkungen, wenn die vielfältige Lebensgemeinschaft aus dem Gleichgewicht gerät und die nicht so vorteilhaften Untermieter die Oberhand gewinnen. Diese als Dysbiose bezeichnete Dysbalance der Darmflora wird heute mit zahlreichen Gesundheitsstörungen in Verbindung gebracht. Insbesondere stark übergewichtige bzw. adipöse Menschen weisen oft eine charakteristische Dysbiose auf, die wiederum Übergewicht und damit assoziierte Erkrankungen wie Diabetes, aber auch Entzündungsreaktionen zu fördern scheint.

Die Bakteriengemeinschaft passt sich ihrem Futter an

Einen entscheidenden Einfluss auf die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft hat unsere Ernährung. Das bestätigt nun erneut eine aktuelle Studie: Wissenschaftler um Marlene Remely vom Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Wien1 beobachteten, dass adipöse Studienteilnehmer durch eine kalorienreduzierte, fettarme Diät mit viel Gemüse und Obst, aber wenig tierischen Lebensmitteln nicht nur ihr Gewicht reduzierten, sondern sich gleichzeitig ihre Darmflora gravierend veränderte: Die Artenvielfalt der Mikroorganismen im Dam nahm zu. Die Spezies, die den Fettansatz und Entzündungen begünstigen, wurden zurückgedrängt, während Keime mit gesundheitsfördernden Eigenschaften einen größeren Anteil gewannen.

Eine rasche Veränderung der Darmflora beobachtete Remely auch in einer weiteren Studie, bei der sich die Teilnehmer einer einwöchigen Fasten-Kur unterzogen, die eine Darmreinigung durch ein salinisches Abführmittel beinhaltete.2

Fasten regeneriert den Darm

 

Dass Fasten den Darm entlastet und dadurch gesundheitsfördernde Effekte hat, postuliert man in der Naturheilkunde schon lange. Wissenschaftliche Nachweise für die positive Wirkung des Fastens auf das darmassoziierte Immunsystem erbrachte u.a. eine Untersuchung an der Klinik Blankenstein in Hattingen: Nach einer dreiwöchigen Fasten-Kur wurden in den Verdauungsorganen der Patienten deutlich mehr Abwehrstoffe, so genannte Immunglobuline A, gebildet, die Krankheitserreger abfangen, bevor diese in den Blutkreislauf des Organismus gelangen. Gleichzeitig verbesserte sich das allgemeine Befinden der Studienteilnehmer.3

Tatsächlich scheint eine fachgerecht durchgeführte Fastenkur im Hinblick auf die Gewichtsreduktion, die Darmsanierung und alle damit verbundenen gesundheitlichen Verbesserungen nachhaltiger zu sein als eine Diät. Denn nach einer Diät verfallen die allermeisten Übergewichtigen rasch wieder ihren alten Ernährungsgewohnheiten, wie erst kürzlich eine Studie bestätigte.4 Anders beim konsequenten Verzicht: „Fasten ist ein starker Impuls, dauerhaft eine gesundheitsbewusstere Ernährungs- und Lebensweise anzunehmen“, weiß Andrea Ciro Chiappa, Vorsitzender des Deutschen Fastenakademie e.V. (dfa). So zeigte eine Studie an der Universität Duisburg-Essen mit 900 Patienten, dass sich der Lebensstil der Studienteilnehmer nach einer einwöchigen ambulanten Fastenkur nachhaltig verbesserte.5 Das bestätigt auch eine aktuelle Fastenstudie der Universität Halle-Wittenberg: Die Teilnehmer, die sich einem fünftägigen Fastenprogramm der dfa unterzogen, wurden erfolgreich zur dauerhaften Lebensstilveränderung motiviert und konnten sich so ihre neuen Körpermaße und die verbesserte Leistungsfähigkeit nach der Kur erhalten.6

Regeln des Verzichts

„Voraussetzung für den Erfolg einer Fastenkur ist allerdings, dass sie richtig durchgeführt wird“, betont Chiappa: Die dfa hat dazu wichtige Tipps in ihren Leitlinien zusammengestellt (www.fastenakademie.de). Danach wird der auf ein bis zwei Wochen begrenzte Nahrungs- und Genussmittel-Verzicht von reichlicher Flüssigkeitszufuhr und regelmäßigen Darmentleerungen begleitet. „Denn der zur Ruhe gekommene Darm benötigt Unterstützung, um Nahrungsreste und abgestorbene Bakterien, Zellen und Gallensäuren auszuscheiden“, erklärt Chiappa. Dazu eignen sich salinische Abführmittel wie Glaubersalz oder das besser schmeckende F.X. Passage SL. Letzteres basiert nach der Tradition des Fastenarztes Dr. F.X. Mayr auf dem natürlichen Wirkstoff Bittersalz (Magnesiumsulfat), der zur saften Darmreinigung geeignet ist. Außerdem trägt ein Wechsel aus Bewegung in freier Natur mit Ruhephasen und Entspannung zum Fastenerfolg bei. „Am Ende der Kur ist ein sorgfältiger Neuaufbau der Ernährung die Grundvoraussetzung für nachhaltige Effekte“, so Chiappa.

Weitere Informationen: www.fastenakademie.de

 

Quellen:

1 Remely M, Tesar I, Hippe B, Gnauer S, Rust P, Haslberger AG: Gut microbiota composition correlates with changes in body fat content due to weight loss. Beneficial Microbes. 2015; 6(4): 431-439

2 Remely M, Hippe B, Geretschlaeger I, Stegmayer S, Hoefinger I, Haslberger A: Increased gut microbiota diversity and abundance of Faecalibacterium prausnitzii and Akkermansia after fasting: A pilot study. Wien Klin Wochenschr. 2015; 127(9-10): 394-398

3 Beer AM, Rüffer A, Balles J, Ostermann T: Progression of intestinal secretory immunoglobulin A and the condition of the patients during naturopathic therapy and fasting therapy Forsch Komplementärmed Klass Naturheilkd 2001; 8:346–353

4 Fildes A, Charlton J, Rudisill C, Littlejohns P, Prevost AT, Gulliford MC: Probability of an Obese Person Attaining Normal Body Weight: Cohort Study Using Electronic Health Records. Am J Public Health. 2015 Sep;105(9):e54-9

5 Michalsen A, Hoffmann B, Moebus S, Backer M, Langhorst J, Dobos GJ: Incorporation of fasting therapy in an integrative medicine ward: evaluation of outcome, safety, and effects on lifestyle adherence in a large prospective cohort study. J Altern Complement Med. 2005;11(4):601-7.

6 Lorenz S, Chiappa A, Semler E, Hottenrott K: Präventionsstudie: Evaluation des Gesundheitsfastens nach dem Konzept der Deutschen Fastenakademie (dfa). 5-tägiges Fasten in Kombination mit Gesundheitstraining führt zu nachhaltiger Gewichtsreduktion und erfolgreicher Lebensstilmodifikation. Zeitschrift für Komplementärmedizin zkm 2016;2 (in Druck)

 

Kurzversion siehe unter:  http://www.presseportal.de/pm/108543/3242854