Darf's ein bisschen weniger sein?



von HANNES VOLLMUTH

(Frankfurter Rundschau 9.4.09)  Eine gelbliche Pampe aus Leinsamen, Weizenkleie und Rosinen steht vor ihm: Molino. Es wird seine letzte feste Nahrung für eine Woche sein. Lothar Lorenz freut sich trotzdem auf die kommende Woche - er zahlt sogar für die entbehrungsreichen Tage: ganze 85 Euro.

Lorenz, 65, wird eine Woche lang in der Fastenklinik Friedborn im Schwarzwald verbringen. Die Vollpension besteht überwiegend aus Anis-Fenchel-Kümmeltee und Schwarzwaldluft, das Tagesprogramm vor allem aus zehn bis 15 Kilometer Wandern pro Tag. Bisher fastete der pensionierte Apotheker hier zwei bis vier Wochen im Jahr. Diesmal muss er schon nach sieben Tagen abreisen: Friedborn ist ausgebucht.

Fasten liegt im Trend. Was in Deutschland bislang Privatsache gläubiger Christen war, entwickelt sich zum Lifestyle-Event, das gerade in der Karwoche oder nach Aschermittwoch immer mehr Deutsche als schick empfinden. Schon drängen unzählige passende Angebote auf den Markt: Weltbild empfiehlt "Basenfasten für Eilige". Bei Amazon ist der Ratgeber "Relaunch: Wie neugeboren durch Fasten" ein Bestseller. So genannte Biohotels bieten "Frühjahrsputz für Körper und Seele". Brigitte geht aufs Ganze: "Selbstversuch Fasten-Yoga". Laut der aktuellen Allensbach-Umfrage zum Thema verzichtete 2006 im Westen etwa jeder Vierte in der Fastenzeit auf Fleisch und Alkohol. Im Osten hat sich die Zahl der Fastenden mit 14 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts sogar fast verdoppelt.  Weiterlesen....


Quelle:   http://www.fr-online.de/